Film

DER MANN, DER SEINEN MÖRDER SUCHT

Gebrochene Sprache »

Hans Herforth findet in seinem Leben schon lange keinen Sinn mehr. Nur der Mut zum Suizid fehlt ihm. Bei seinem neuesten Selbstmordversuch wird er obendrein von einem Einbrecher gestört – doch er fasst einen Plan: Der Kriminelle soll ihn innerhalb der nächsten zwölf Stunden umbringen und als Belohnung seine Lebensversicherung kassieren. Als sich Hans in der Kneipe seinen letzten Schnaps genehmigen will, verliebt er sich Hals über Kopf in die bezaubernde Kitty und fasst neuen Lebensmut. Nun muss er allerdings seinen Mörder finden, der schon den Plan für die Tat ausheckt...

„Temporeich inszenierte, vergnügliche Mischung aus Kriminalburleske und Musical, die mit Witz und Schwung die Affinität von Bürgertum und Verbrechen parodiert.“ (Lexikon des internationalen Films)

Robert Siodmak (*8.8.1900 Dresden; †10.3.1973 Locarno, Schweiz) realisierte kurz vor Anbruch des Tonfilm-Zeitalters sein meisterhaftes Erstlingswerk MENSCHEN AM SONNTAG, der eine Mischung aus Spielhandlung und Dokumentarfilm darstellt. Der Film zeigt das rastlose Berlin der Weimarer Republik aus Sicht der damals rasant anwachsenden Gruppe der Angestellten. Mit genauen Milieubeobachtungen, dieses Mal aber des Arbeitermilieus, setzte sich Siodmak auch in seinem zweiten Werk, dem Tonfilm ABSCHIED, auseinander.
Wie bereits bei seiner ersten Regiearbeit drehte Siodmak seinen dritten Langspielfilm nach einem Drehbuch von Billy Wilder (*22.6.1906 Sucha (heute Sucha Beskidizka, Polen); †27.3.2002 Beverly Hills, Kalifornien, USA) Ludwig Hirschfeld und seinem Bruder Kurt Siodmak: die musikalische Groteske DER MANN, DER SEINEN MÖRDER SUCHT. Die Erich Pommer-Produktion der Ufa wurde 1933 auf fast die Hälfte gekürzt, erhielt den neuen Titel JIM, DER MANN MIT DER NARBE und wurde schließlich 1937 ganz verboten. Der Schriftsteller Hirschfeld wurde 1942 von den Nazis aus Frankreich ins KZ Auschwitz deportiert und ermordet. DER MANN, DER SEINEN MÖRDER SUCHT blieb seine einzige Arbeit für den Film.

Die Brüder Siodmak und Wilder flohen 1933 aus Deutschland über Frankreich in die USA. In den 1940er Jahren machten sich Robert Siodmak (THE SPIRAL STAIRCASE, 1945) und Wilder (DOUBLE INDEMNITY, 1944) einen Namen als Regisseure von Thrillern sowie Film noirs und prägten diese Filmgenres entscheidend mit. Kurt Siodmak (*10.8.1902 Dresden; †2.9.2000 Three Rivers, Kalifornien, USA) war aufgrund seiner frühen Erzählungen, die ins Englische übersetzt wurden, bereits bekannt. 1938 war er mit Wilder, Charles Brackett und Julius Epstein an der Gründung der Screenwriters Guild of America beteiligt. Joe May führte ihn im Jahr darauf bei der Universal ein, wo er sich mit dem Drehbuch zu dem Kassenhit THE INVISIBLE MAN RETURNS (1940) und dessen Fortsetzungen als Science-Fiction- und Horrorfilm-Spezialist etablierte. 1941 konnte Kurt Siodmak seinen größten Erfolg als Drehbuchautor von THE WOLF MAN feiern. Zu Weltruhm kam er im folgenden Jahr durch seinen Roman „Donovan's Brain“, der in mehr als zehn Sprachen übersetzt, 1944 von Orson Welles fürs Radio adaptiert und bis 1962 viermal verfilmt wurde. 1943 erhielt Siodmak die amerikanische Staatsbürgerschaft, wurde zum Geheimagenten ausgebildet und arbeitete in einer Propagandaabteilung in Washington, wo er Flugblätter gegen Nazi-Deutschland und politische Artikel für die Exilzeitschrift „Die Freiheit“ verfasste. Im Gegensatz zu seinem Bruder Robert, lebte Kurt bis zu seinem Tod in den USA. Nachdem Robert Siodmak in den 1950er Jahren mit den amerikanischen Produktionen in die Mittelmäßigkeit abzurutschen drohte, kehrte er nach Europa zurück. In Deutschland ansässig, erarbeitete Siodmak vor allem gutbürgerliche Konversationsstücke für Artur Brauners CCC-Traumfabrik. Seine Aufarbeitung eines Kriminalfalls aus der NS-Zeit NACHTS, WENN DER TEUFEL KAM erregte einiges Aufsehen und wurde zu einem seiner besten deutschen Nachkriegsfilme. Mit seinem Auftritt in Peter Schamonis EIN GROSSER GRAU-BLAUER VOGEL beendete Robert Siodmak 1969 seine filmischen Aktivitäten.

Mi 5.4.17 20.15 Uhr
Sa 8.4.17 16.30 Uhr
Gebrochene Sprache
Der Mann, der seinen Mörder sucht
Regie: Robert Siodmak, DE 1931, 53 min, DCP, FSK: ab 6, mit Heinz Rühmann, Lien Dreyers, Raimund Janitschek

« Zurück